Als Komplementärwährungen werden alle Währungen bezeichnet, die keine gesetzlichen Zahlungsmittel sind und daher ergänzend zur offiziellen Währung im Umlauf sind. Die Wertmessung und der Umtausch von Komplementärwährungen können auf herkömmlichem Geld basieren. Eigene Rechnungseinheiten und Preisbildungsmechanismen sind ebenfalls möglich. Komplementärwährungen werden rund um den Globus in Netzwerken eingesetzt, die sich auf bestimmte geografische Gebiete, Branchen oder gemeinsame Werte beschränken. Sie werden auf gemeinnütziger Basis herausgegeben und verwaltet.

Unter dem Begriff „Komplementärwährungen“ sind die unterschiedlichsten Währungsarten zusammengefasst. Weltweit gibt es viele Beispiele, die in die folgenden Kategorien eingeordnet werden können:

  • Regionalwährungen (auch bekannt als Übergangswährungen, Regiogeld, MCL, …)
    • B. Chiemgauer, Bristol Pound, Eusko etc.
  • Tauschringe und LETS (auch bekannt als SEL/JEU [Frankreich], Tauschkreis [Deutschland])
  • Treue-/Prämienprogramm
    • B. Torekes, E-portmonee, Miles & More, Nectar Points
  • Business-to-Business-Währungen
    • B. TradeQoin, Sardex, Bangla-Pesa, WIR
  • Neue Zahlungssystemeund viele mehr
    • B. Bitcoin, Ven, Liberty Dollar, …

Obwohl solche Benennungen und Kategorien häufig herangezogen werden, um bestimmte Komplementärwährungen zu bezeichnen, ist jedes bestehende Währungssystem einzigartig.

Mit dieser Website möchten wir Fachkräfte bei der Planung und Umsetzung erfolgreicher Währungen unterstützen.

Das Wissensportal bietet Zugang zu Online-Ressourcen, Literatur und diversen Forschungen zu Komplementärwährungen. Die Website ist als Wiki-ähnliche Sammlung kategorisierter Artikel über Komplementärwährungen konzipiert. Dank Beiträgen unserer Unterstützer bleibt sie immer auf dem aktuellsten Stand, und das Kuratorium unserer internationalen Partner gewährleistet die Lesbarkeit und Verlässlichkeit der Inhalte.

Unsere Ressourcen informieren Sie über die grundlegenden Konzepte, allgemeine Währungsarten und spezifische Währungssysteme, die gegenwärtig und in der Vergangenheit im Umlauf waren bzw. sind.

Darüber hinaus verschaffen wir Ihnen einen Überblick über die Personen, Organisationen und Projekte, die Sie im Rahmen Ihrer Forschung interessieren könnten. Die Website ermöglicht außerdem den Zugriff auf umfangreiche Dokumente aus unterschiedlichen Disziplinen sowie zahlreiche Bilder und Videos [link to video].

Sie finden hier nicht nur Material, das von der CCIA erstellt wurde, und das Tauschring-Toolkit, das von unseren Freunden in den USA zusammengestellt wurde. Wir stellen auch praktische Toolkits und Implementierungswerkzeuge bereit, die Fachkräfte dabei unterstützen sollen, neue Währungsinitiativen ins Leben zu rufen und die Verfahren und Nachhaltigkeit ihrer Projekte zu verbessern. Weitere Informationen zum Einstieg finden Sie im nächsten Abschnitt.

Basierend auf dem Know-how der Unterstützer und Mitarbeiter haben wir ein Rahmenwerk für die Einführung von Währungen veröffentlicht. Dieses Modell weist drei Stufen und sieben Phasen auf.[link to Implementation Framework]

Die einzelnen Phasen von Stufe A sind besonders für Fachkräfte interessant, die noch überlegen, welche Art von Währung für welchen Zweck am besten geeignet ist:

  • Phase 1: Information über die spezifischen Konzepte und Komponenten der Währung
  • Phase 2: Konzept: Formalisieren der Partnerschaft; Finanzierungsoptionen
  • Phase 3: Machbarkeit; Vorbereiten der Einführung
  • Phase 4: Projektplanung

Häufig durchlaufen Fachkräfte die Phasen von Stufe A mehrfach. Jeder Durchgang führt dabei zu neuen Erkenntnissen und somit letztendlich zu einer ausgereiften Währung und einem durchdachten Projektplan.

In Stufe B erhalten diejenigen, die einen detaillierten Projektplan ausgearbeitet haben und mit der Umsetzung beginnen möchten, wertvolle Anregungen und umfassende Hilfestellung.

Stufe C schließlich unterstützt den Leser bei der Entscheidung, ob das Projekt über den Pilotbereich hinaus ausgeweitet, in anderen Bereichen repliziert oder, falls das Pilotprojekt nicht erfolgreich verläuft, beendet werden sollte.

Basierend auf diesem Rahmenwerk wird die CCIA 2014 ein Handbuch für die Einführung von Komplementärwährungen herausgeben. Vorhandene Leitfäden sind in mehreren Sprachen verfügbar und können im Dokumentbereich heruntergeladen werden [link to subcategory guides].

Fachkräfte können die veröffentlichten Materialien lesen (online oder in Büchern) und an Veranstaltungen [link to calendar] teilnehmen, bei denen andere Fachkräfte und Forscher ihr Wissen weitergeben. Darüber hinaus werden auch Kurse und Partizipationsressourcen angeboten. So halten die CCIA-Partner aktuell Workshops für Gruppen in Nordwesteuropa ab, die eine neue Währung entwickeln möchten. Weitere bekannte Institutionen, die zu diesem Thema Kurse organisieren, sind die IFLAS an der University of Cumbria oder das Schumacher College (beide im Vereinigten Königreich). Melden Sie sich für den CCIA-Newsletter an oder folgen Sie uns auf sozialen Medien, um solche Chancen nicht zu verpassen.

In manchen Fällen gelingt es, eine Komplementärwährung nur mit Hilfe von Ehrenamtlichen einzuführen. Meistens wird jedoch eine Finanzierungsmöglichkeit benötigt, nicht zuletzt für die Deckung der fortlaufenden Kosten der Währung. Eine Finanzierung gewährleistet, dass die Zeit, die Mitwirkende für das Projekt aufwenden, ganz oder teilweise bezahlt wird. Auch die für die Entwicklung einer Währung anfallenden Kosten, z. B. für den Druck von Banknoten, die Anpassung von Software, für Marketing und PR, können so beglichen werden. Diese Finanzierung kann durch die Benutzer und Beteiligten selbst erfolgen oder von Einrichtungen, Stiftungen oder Kommunalverwaltungen stammen.

Ebenso wie konventionelle Währungen erfordern Komplementärwährungen eine nachhaltige Finanzierung zur Deckung ihrer Betriebskosten. Bei herkömmlichen Währungen ist dies kaum wahrnehmbar in das Finanzsystem integriert: Mechanismen wie Bankservicegebühren, Kontenabonnements und Strafgebühren gleichen die Betriebskosten aus.

Wie für so viel Anderes gilt auch für eine Komplementärwährung: Das geltende Recht des Landes, in dem die Währung zum Einsatz kommt, muss eingehalten werden. Abhängig von der Gestaltung der Währung und der Art ihrer Einführung müssen dabei zahlreiche Bereiche berücksichtigt werden, darunter:

  • Besteuerung: Mehrwertsteuer, Körperschaftssteuer, Einkommenssteuer
  • Versicherungen: Freiwillige Versicherung, Haftpflichtversicherung
  • Arbeitsrecht: Auswirkungen auf die Sozialleistungen, Arbeitslosengeld und Berufsunfähigkeitsrente (wenn die Komplementärwährung Teil des Arbeitsentgelts ist)
  • Datenschutz und -sicherheit: Sicherheit der Benutzer der Komplementärwährung (vor allem gefährdete Benutzer), Datenschutz
  • Vorschriften für Finanzdienstleistungen: Emission physischer Währungen, Emission digitaler Währungen, die nicht in die Landeswährung umgetauscht werden können, Emission umtauschbarer digitaler Währungen, Geldwäsche
  • Akzeptanz der Komplementärwährung durch lokale Behörden

Auch in diesem Bereich erhalten Fachkräfte und Behörden umfassende Unterstützung durch die CCIA. Melden Sie sich für den CCIA-Newsletter an, um entsprechende Benachrichtigungen zu erhalten.

Kommunikation und Marketing sind für den Erfolg einer Komplementärwährung unabdingbar. Dafür stehen zahlreiche Tools (Veranstaltungen, Prospektkampagnen, E-Mails), Plattformen (Facebook, Twitter etc.) und Medien (Radio, TV, Zeitungen, Blogs) zur Verfügung. Zum Einstieg in dieses Thema können Sie den Kommunikationsleitfaden der CCIA lesen, der im Toolkit-Bereich zu finden ist [link].

Mit allen Komplementärwährungen soll ein bestimmtes positives und nachhaltiges Ergebnis erzielt werden, ob in sozialer, ökologischer oder wirtschaftlicher Hinsicht.

Bislang beschränkt sich die Auswertung des Einflusses von Pilot-Komplementärwährungen auf einige wegweisende Währungen oder Währungsarten im Allgemeinen. Um eine umfassendere Bewertung und die Definition von bewährten Verfahren zu ermöglichen, entwickelt die New Economics Foundation im Rahmen des CCIA-Projekts ein Bewertungsmodell für Komplementärwährungen. Veröffentlicht wird dieses Modell als Teil eines Berichts, der sich mit den derzeitigen Arten der Bewertung von Währungen beschäftigt.

Bei der Planung und Einführung einer Initiative müssen Fachkräfte diese Schwierigkeiten unbedingt berücksichtigen. Aus diesem Grund hat die CCIA ein Handbuch mit einem Toolkit zur Aufnahme eines Bewertungsprozesses herausgegeben. [link to toolkit section]

Die Arbeit, die Sie als Fachkraft für Komplementärwährungen erledigen, gehört zu einer breiter gefassten Bewegung, die Geld und die damit verbundenen Einrichtungen reformieren möchte. Wenn Sie sich für die unterschiedlichen Bewegungen interessieren, erhalten Sie nähere Informationen in den Ressourcen der Einrichtungen, die dieses Fachgebiet erforschen: