Als Komplementärwährungen/Regionalwährungen werden alle Währungen bezeichnet, die keine gesetzlichen Zahlungsmittel sind und daher ergänzend zur offiziellen Währung im Umlauf sind. Die Wertmessung und der Umtausch von Komplementärwährungen können auf herkömmlichem Geld basieren. Eigene Rechnungseinheiten und Preisbildungsmechanismen sind ebenfalls möglich.

Komplementärwährungen sind nichts Neues: Im breiter gefassten Sinne gab es sie bereits lange vor den Geldsystemen, die wir heute haben. Auch in modernen Zeiten gibt es zahlreiche Beispiele für Komplementärwährungen, die entwickelt wurden, um spezifische Bedürfnisse auf lokaler und regionaler Ebene zu erfüllen oder die Knappheit an gesetzlichen Zahlungsmitteln in Krisenzeiten auszugleichen. Zunehmend werden sie auch als innovatives und effektives Werkzeug eingesetzt, um politische Ziele umzusetzen. Zwar sind genaue Zahlen selbst für Fachleute schwierig zu ermitteln. Man darf aber davon ausgehen, dass heute rund um den Globus 3000–5000 Komplementärwährungen im Umlauf sind. Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 hat diese Zahl besonders stark zugenommen.

Die Budgets der Kommunalverwaltungen werden immer kleiner. Die Bedürfnisse der Bürger verringern sich dagegen nicht. Kommunale Behörden stehen dadurch unter einem immensen Druck: Sie müssen Dienstleistungen bereitstellen und die lokale Gemeinschaft stärken – effektiv, aber auch möglichst kostengünstig. Um diesen schwierigen Anforderungen gerecht zu werden, arbeiten Entwickler von komplementären Währungen zunehmend mit vorausschauenden lokalen Behörden zusammen.

Hier finden Sie einen Überblick über einige ehrgeizige Ziele von Entscheidungsträgern und Beispiele von Komplementärwährungen, die folgende Anforderungen erfüllen sollen:

  • Einbeziehung von Menschen, die kein oder nicht genug Geld (gesetzliches Zahlungsmittel) haben, in die lokale Wirtschaft

Im Rahmen des CCIA-Projekts werden zahlreiche Veröffentlichungen für Entscheidungsträger zusammengestellt, in denen über die Erfahrungswerte und Erkenntnisse der Pilotwährungen informiert wird. Melden Sie sich für den CCIA-Newsletter an, um entsprechende Benachrichtigungen zu erhalten.

Unter dem Begriff „Komplementärwährungen“ sind die unterschiedlichsten Währungsarten zusammengefasst. Weltweit gibt es viele Beispiele, die in die folgenden Kategorien eingeordnet werden können:

Obwohl solche Benennungen und Kategorien häufig herangezogen werden, um bestimmte Komplementärwährungen zu bezeichnen, ist jedes bestehende Währungssystem einzigartig.

Diese Website soll Entscheidungsträgern das Konzept und das Potenzial von Komplementärwährungen vermitteln. Entscheidungsträger können sich auf diverse Arten beteiligen:

  • Eine Kommunalverwaltung initiiert eine Komplementärwährung.
  • Eine Kommunalverwaltung finanziert die Einführung einer Komplementärwährung ganz oder teilweise oder unterstützt sie mit Sachleistungen.
  • Eine Kommunalverwaltung finanziert die Betriebskosten einer Komplementärwährung ganz oder teilweise oder unterstützt sie mit Sachleistungen.
  • Eine Kommunalverwaltung stellt die Ausstattung (IT, Platz, Materialien) bereit.
  • Die Komplementärwährung wird in das lokale Regierungsprogramm aufgenommen.
  • Eine Kommunalverwaltung bekleidet eine Position im Beschlussorgan.
  • Eine Kommunalverwaltung wirbt aktiv für die Komplementärwährung (PR, Mitteilungen).
  • Eine Kommunalverwaltung setzt sich aktiv für die Überwindung gesetzlicher Hürden ein.
  • Eine Kommunalverwaltung gestattet die Bezahlung lokaler Steuern und Abgaben in der Komplementärwährung.
  • Eine Kommunalverwaltung nutzt die Komplementärwährung zur Bezahlung extern bezogener Dienstleistungen.

Welche dieser Optionen am besten geeignet ist, hängt vom jeweiligen Währungsvorschlag und den Zielen der lokalen Behörden ab.

Im Rahmen des CCIA-Projekts werden wir einen Bericht veröffentlichen, in dem auf all diese Optionen und ihre Vor- und Nachteile detailliert eingegangen wird.

Wie für so viel Anderes gilt auch für eine Komplementärwährung: Das geltende Recht des Landes, in dem die Währung zum Einsatz kommt, muss eingehalten werden. Abhängig von der Gestaltung der Währung und der Art ihrer Einführung müssen dabei zahlreiche Bereiche berücksichtigt werden, darunter:

  • Besteuerung: Mehrwertsteuer, Körperschaftssteuer, Einkommenssteuer
  • Versicherungen: Freiwillige Versicherung, Haftpflichtversicherung
  • Arbeitsrecht: Auswirkungen auf die Sozialleistungen, Arbeitslosengeld und Berufsunfähigkeitsrente (wenn die Komplementärwährung Teil des Arbeitsentgelts ist)
  • Datenschutz und -sicherheit: Sicherheit der Benutzer der Komplementärwährung (vor allem gefährdete Benutzer), Datenschutz
  • Vorschriften für Finanzdienstleistungen: Emission physischer Währungen, Emission digitaler Währungen, die nicht in die Landeswährung umgetauscht werden können, Emission umtauschbarer digitaler Währungen, Geldwäsche
  • Akzeptanz der Komplementärwährung durch lokale Behörden

Auch in diesem Bereich erhalten Fachkräfte und Behörden umfassende Unterstützung durch die CCIA. Melden Sie sich für den CCIA-Newsletter an, um entsprechende Benachrichtigungen zu erhalten.

Mit allen Komplementärwährungen soll ein bestimmtes positives und nachhaltiges Ergebnis erzielt werden, ob in sozialer, ökologischer oder wirtschaftlicher Hinsicht.

Bislang beschränkt sich die Auswertung des Einflusses von Pilot-Komplementärwährungen auf einige wegweisende Währungen oder Währungsarten im Allgemeinen. Um eine umfassendere Bewertung und die Definition von bewährten Verfahren zu ermöglichen, entwickelt die New Economics Foundation im Rahmen des CCIA-Projekts ein Bewertungsmodell für Komplementärwährungen. Veröffentlicht wird dieses Modell als Teil eines Berichts, der sich mit den derzeitigen Arten der Bewertung von Währungen beschäftigt.