Als Komplementärwährungen werden alle Währungen bezeichnet, die keine gesetzlichen Zahlungsmittel sind und daher ergänzend zur offiziellen Währung im Umlauf sind. Die Wertmessung und der Umtausch von Komplementärwährungen können auf herkömmlichem Geld basieren. Eigene Rechnungseinheiten und Preisbildungsmechanismen sind ebenfalls möglich. Komplementärwährungen werden rund um den Globus in Netzwerken eingesetzt, die sich auf bestimmte geografische Gebiete, Branchen oder gemeinsame Werte beschränken. Sie werden auf gemeinnütziger Basis herausgegeben und verwaltet.

Komplementärwährungen sind nichts Neues: Im breiter gefassten Sinne gab es sie bereits lange vor den Geldsystemen, die wir heute haben. Auch in modernen Zeiten gibt es zahlreiche Beispiele für Komplementärwährungen, die entwickelt wurden, um spezifische Bedürfnisse auf lokaler und regionaler Ebene zu erfüllen oder die Knappheit an gesetzlichen Zahlungsmitteln in Krisenzeiten auszugleichen. Zunehmend werden sie auch als innovatives und effektives Werkzeug eingesetzt, um die Ziele von Richtlinien zu erreichen. Zwar sind genaue Zahlen selbst für Fachleute schwierig zu ermitteln. Man darf aber davon ausgehen, dass heute rund um den Globus 3000–5000 Komplementärwährungen im Umlauf sind. Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 hat diese Zahl besonders stark zugenommen.

Komplementärwährung jeden Umfangs können Unternehmen erhebliche Vorteile einbringen. Einige Komplementärwährungen haben einen signifikanten Einfluss auf die Wirtschaft, z. B. die WIR Bank, die seit 80 Jahren besteht. Die WIR Bank verzeichnet Transaktionen im Wert von mehreren Milliarden Schweizer Franken pro Jahr von ihren 70.000 aktiven KMU-Mitgliedern. Die meisten anderen Komplementärwährungen sind von vergleichsweise kleinerem Umfang und werden von einigen Hundert Mitgliedern aus einem bestimmten geografischen Gebiet oder einer bestimmten Branche genutzt.

Unter dem Begriff „Komplementärwährungen“ sind die unterschiedlichsten Währungsarten zusammengefasst. Weltweit gibt es viele Beispiele, die in die folgenden Kategorien eingeordnet werden können:

  • Regionalwährungen (auch bekannt als Übergangswährungen, Regiogeld, MCL, …)
    • B. Chiemgauer, Bristol Pound, Eusko etc.
  • Tauschringe und LETS (auch bekannt als SEL/JEU [Frankreich], Tauschkreis [Deutschland])
  • Treue-/Prämienprogramm
    • B. Torekes, E-portmonnee, Miles & More, Nectar Points
  • Business-to-Business-Währungen
    • B. TradeQoin, Sardex, Bangla-Pesa, WIR
  • Neue Zahlungssystemeund viele mehr
    • B. Bitcoin, Ven, Liberty Dollar, …

Obwohl solche Benennungen und Kategorien häufig herangezogen werden, um bestimmte Komplementärwährungen zu bezeichnen, ist jedes bestehende Währungssystem einzigartig.

Die meisten Unternehmen nutzen ihre mögliche Geschäftskapazität gar nicht zu hundert Prozent aus. Es gibt diverse Komplementärwährungen, die sich auf die unterschiedlichen betrieblichen Aspekte von kleinen und mittleren Unternehmen konzentrieren. Mit solchen Währungen können diese Unternehmen ihre Produktivität steigern und widerstandsfähiger gegen externe Einflüsse werden. Zum Beispiel:

  • Höhere Umsätze
    • B2B-Währungen: Diese Tauschnetze stellen teilnehmende Unternehmen vor und sorgen so für neue Kunden. Unternehmen können zunehmende Umsätze generieren, wenn Käufer Handelsmöglichkeiten innerhalb des Netzwerks suchen.
    • Regionalwährungen: Regionalwährungen können nur innerhalb eines Netzwerks aus teilnehmenden Unternehmen ausgegeben werden. Die Verbraucher können diese Unternehmen aufsuchen und entwickeln im Laufe der Zeit eine hohe Loyalität zu den gemeinsamen Werten, für die diese Währung steht.
    • Treueprogramme: Wenn treue Kunden mit Punkten belohnt werden, kaufen sie nachgewiesenermaßen im Laufe der Zeit mehr.
  • Optimierter Cashflow
    • B2B-Währungen: Mitglieder können Einkäufe und Verkäufe innerhalb eines Handelsnetzwerks mit „Handelsgutschriften“ oder Punkten tätigen. Daher können sie einen größeren Anteil ihres Cashflows in der offiziellen Landeswährung für die Betriebskosten nutzen.
    • Regionalwährungen: Unternehmen können die Regionalwährung für Transaktionen verwenden, die sonst das gesetzliche Zahlungsmittel erfordert hätten.
    • Geschlossene Zahlungssysteme: Diese Währungen bieten die Möglichkeit zinsfreier Kredite.
  • Nutzung freier Kapazitäten
    • B2B-Währungen: Handelsnetzwerke führen nicht ausgelastete Ressourcen und Geschäftskapazitäten mit nicht erfüllten Bedürfnissen zusammen.
    • Treueprogramme: Nicht ausgelastete Ressourcen bzw. Kapazitäten können gegen Punkte zu geringen Kosten an treue Kunden vergeben werden.
  • Aufbau eines Netzwerks von Unternehmen
    • B2B-Währungen: Unternehmen können langfristige Partnerschaften und Geschäftsbeziehungen zu anderen Unternehmen aus derselben Region oder demselben Sektor eingehen. Dabei wird besonderer Wert darauf gelegt, dass Unternehmen ethisch handeln und ihren Verpflichtungen gegenüber den anderen Teilnehmern nachkommen.

Zwar können Unternehmen eine eigene Währung einführen, doch die meisten entscheiden sich dafür, sich an einer bestehenden Initiative zu beteiligen oder sie zu unterstützen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie KMU eine Währung unterstützen und von ihren Vorteilen profitieren können:

  • Finanzierung (ganz oder teilweise) der Einführung und/oder laufenden Kosten einer Komplementärwährung
  • Abdeckung (ganz oder teilweise) der betrieblichen Anforderungen einer Komplementärwährung
  • Bekleiden einer Position im Beschlussorgan
  • Bereitstellung der Ausstattung (IT, Platz, Materialien)
  • Werbung für die Komplementärwährung (PR, Mitteilungen)
  • Nutzung der Komplementärwährung zum Einkauf von Waren und Dienstleistungen

Unternehmen, die Komplementärwährungen einführen oder sich daran beteiligen, müssen das geltende Recht des Landes einhalten, in dem sie tätig sind. Abhängig von der Gestaltung der Währung und der Art ihrer Einführung müssen dabei zahlreiche Bereiche berücksichtigt werden, darunter auch die folgenden, die besonders für KMU von Interesse sind:

  • Besteuerung: Mehrwertsteuer, Körperschaftssteuer, Einkommenssteuer
    • Wie wirkt sich die Nutzung der Komplementärwährung auf die Buchhaltung im Unternehmen aus?
  • Arbeitsrecht: Auswirkungen auf die Sozialleistungen, Arbeitslosengeld und Berufsunfähigkeitsrente, Einstellungsbedingungen
    • Welche Auswirkungen auf die Sozialleistungen hat es, wenn die Komplementärwährung Teil des Arbeitsentgelts ist?
  • Akzeptanz der Komplementärwährung durch lokale Behörden
    • Akzeptieren lokale Behörden die Komplementärwährung für die Bezahlung von Steuern oder Dienstleistungen?

Bei allen seriösen Projekten stellt das Organisationsteam der Währung den teilnehmenden Unternehmen Leitfäden für die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften bereit.

Währungen, die auf KMU ausgerichtet sind, sind in der Regel wertäquivalent zur Landeswährung. Daher ist die Komplementärwährung steuerpflichtig, wobei die Buchhaltung keine Probleme bereitet. Die rechtliche Zulässigkeit von Regionalwährungen fällt jedoch von Land zu Land unterschiedlich aus. In einigen Ländern werden Währungen, die durch das gesetzliche Zahlungsmittel gedeckt sind, möglicherweise anders behandelt als „Handelsgutschriften“. In den USA sind beispielsweise spezielle Steuerformulare erforderlich, um Einkommen aus Transaktionen mit Handelsgutschriften anzugeben. Es gibt auch eine dedizierte Behörde, die Unternehmen zu diesem Thema berät: International Reciprocal Trade Association (www.irta.com).

Auch im Hinblick auf die gesetzlichen Vorgaben und Compliance-Anforderungen, die für Komplementärwährungen gelten, stellt die CCIA Leitfäden für Fachkräfte und Verantwortliche bereit. Melden Sie sich für den CCIA-Newsletter an, um über die Veröffentlichung informiert zu werden.